Herzentzündungen

Die Informationen auf dieser Seite finden Sie in Band 22 einer eBook-Reihe der Patienten-Akademie.

Hier bekommen Sie dieses eBook in verschiedenen Formaten:


Leseprobe


Beschreibung der Erkrankung

Einteilung

Perikarditis

Entzündung des Herzbeutels.

Elektrik
Abb. 1

Der Herzbeutel besteht aus 2 Blättern:

Das eine liegt direkt auf dem Herzmuskel, das andere umschließt das Herz wie ein Beutel (Abb. 1).

Beide Blätter sind mit einer spiegelglatten Zellschicht bedeckt. Zwischen diesen beiden Blättern befindet sich dünner Flüssigkeitsfilm, der als Schmiermittel dient und dafür sorgt, daß sich beide Blätter bei den Bewegungen der Herzens reibungsfrei gegeneinander verschieben können.

Am häufigsten verursacht durch Bakterien, Viren, Tuberkulosebakterien, möglich aber auch bei bösartigen Erkrankungen, nach Bestrahlungen bösartiger Erkrankungen des Brustraumes, bei Nierenerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen und bei Herzinfarkt.

Man unterscheidet die akute und die chronische Perikarditis.

Geht oft mit einem Herzbeutelerguß (= Perikarderguß) einher.

Myokarditis

Elektrik
Abb. 2
Die verschiedenen Schichten der Herzwand Nach: Blausen.com staff (2014). "Medical gallery of Blausen Medical 2014". WikiJournal of Medicine 1 (2)

Entzündung des Herzmuskels (= Myokard) (Abb. 2).

Verursacht meistens durch Viren (in Südamerika meistens durch bestimmte Parasiten).

Möglich sind aber auch Bakterien, Medikamente (z.B. Chemotherapeutika zur Behandlung bösartiger Krankheiten oder Psychopharamaka (z.B. Lithium)) und eine Reihe seltener anderer Ursachen, z.B. Autoimmunkrankheiten (= Krankheiten, bei denen sich der Körper gegen eigene Eiweiße „wehrt“) oder die „Riesenzellen-Myokarditis“, bei der sich besondere Zellen („Riesenzellen“) im Herzmuskel anreichern.

Man unterscheidet die akute (plötzlich auftretende) und die chronische Myokarditis.

Die chronische Form kann oft nicht von einer Herzmuskelerkrankung („dilatative Kardiomyopathie“, siehe Herzmuskelerkrankungen) unterschieden werden.

Endokarditis

Elektrik
Abb. 3

Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen.

Wird nahezu ausschließlich durch Bakterien und Pilze verursacht.

Man unterscheidet die akute (plötzlich auftretend) die subakute (schwelend verlaufend) Endokarditis.

Die Gefahr der Endokarditis besteht darin, daß sich bakterienhaltige Blutgerinnsel auf den entzündeten Herzklappen ablagern können (Abb. 3) und daß die Klappen durch die Entzündung vernarben und verkalken.

Krankheitserscheinungen

Perikarditis

Die akute Form ist verbunden mit Schmerzen in der Herzgegend, die den Beschwerden des Herzinfarktes ähneln.

Die Schmerzen der Perikarditis werden oft im Liegen, beim Husten und tiefen Einatmen schlimmer und können im Sitzen mit nach vorn gebeugtem Brustkorb besser sein.

Vor allem bei der akuten Perikarditis kommt es oft zu Luftnot, die entweder durch die schmerzhaften Atembewegungen oder durch den Herzbeutelerguß entsteht.

Die chronische Herzbeutelentzündung verläuft oft unbemerkt. Bei einigen Patienten kommt es zu Verhärtungen und Verkalkungen des Herzbeutels. Dies hat zur Folge, daß das Herz in seiner Erschlaffung während seiner Füllungsphase „gefesselt“ ist und sich nicht so Entfalten kann, wie dies für eine ausreichende Füllung der Herzkammern erforderlich wäre (= Pericarditis constrictiva = einschnürende Perikarditis).

Myokarditis

Die Beschwerden entstehen dadurch, daß der entzündete Herzmuskel müde wird und vermindert pumpen kann. Dies führt zur Herzschwäche mit allen ihren Symptomen insbesondere Luftnot und Wasseransammlungen im Körper.

Zudem können in dem entzündeten Herzmuskel alle möglichen Formen der Herzrhythmusstörungen entstehen (z.B. Blockierungen, einzelne Extrasystolen, Vorhofflimmern, Kammerflattern, Kammerflimmern).

Pulsunregelmäßigkeiten und Herzstolpern sind oft die ersten Anzeichen einer Myokarditis, Ohnmachtsanfälle können aber auch erste Anzeichen einer Herzmuskelentzündung sein.

Bei der akuten Myokarditis entwickeln sich diese Beschwerden sehr schnell, bei der chronischen Form schleichend über Wochen.

Oft ist keine Unterscheidung möglich, ob es sich um eine Myokarditis oder eine Herzerweiterung (= „Dilatative Kardiomyopathie“, siehe Herzmuskelerkrankungen) handelt, weil die Beschwerden identisch sind.

Endokarditis

Die Symptome der Endokarditis sind oft sehr untypisch und unspezifisch.

Sie bestehen in allgemeinen Entzündungszeichen (Fieber (oft nur geringe Temperaturerhöhung), Müdigkeit, Gewichtsverlust, Kopfschmerzen und Schüttelfrost (oft wie eine „Grippe“).

Wenn Herzklappen von der Entzündung befallen werden bemerkt man mit zunehmender Schädigung der Klappen Symptome von Herzklappenfehlern und hier insbesondere zunehmende Luftnot.

Untersuchungsmethoden

Körperliche Untersuchung

Perikarditis

Eine akute Pericarditis ist bei einer körperlichen Untersuchung kaum festzustellen, denn sie verursacht keine typischen Untersuchungsbefunde.

Bei der subakuten Form kommt es allerdings zur sehr schnellen Entwicklung einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (= Perikarderguß).

Elektrik
Abb. 4

Dieser Erguß kann das Herz zusammendrücken, sodaß es sich ausreichend mit Blut füllen kann.

Die Folgen sind Beschwerden wie zunehmende Luftnot oder Wasseransammlungen in den Beinen.

Bei der körperlichen Untersuchung sieht man in diesen Fällen zudem eine Blutstauung in den Halsvenen (= Einflußstauung), die auf die Behinderung des Blutabflusses aus den Halsvenen verursacht wird (Abb. 4).

Je nach Umfang des Perikardergusses atmen die Patienten vermehrt und beschleunigt und können eine leichte Blaufärbung der Lippen aufweisen, was auf eine Verminderung der Pumpleistung des Herzens hindeutet.

Das Abhorchen des Herzens zeigt oft keine Auffälligkeiten.

Bei der chronischen Perikardentzündung hängen die Untersuchungsbefunde davon ab, ob ein Perikarderguß vorliegt oder nicht.

Oft, aber keinesfalls immer, stellt man bei einer körperlichen Untersuchung ein typisches Herzgeräusch (siehe unten) fest, oft sind die Untersuchungsbefunde aber auch normal. Lediglich bei der Pericarditis constrictiva sieht man die oben schon erwähnten Zeichen der Herzschwäche mit einer Stauung der Halsvenen.

Myokarditis

Auch die Entzündung des Herzmuskels zeigt in der Regel keine eindeutigen und wegweisenden Untersuchungsbefunde.

In fortgeschrittenen Fällen mit erheblicher Schwächung des Herzmuskels sieht man allerdings Zeichen der Herzschwäche, wie z.B. eine vergrößerte Leber, Wasseransammlungen in den Beinen, Blausucht der Lippen und gestaute Halsvenen.

Endokarditis

Die Endokarditis verursacht ebenfalls, wenn überhaupt, wenige typische Untersuchungsbefunde, allenfalls besteht ein oft nur geringes Fieber.

Elektrik
Abb. 5

Die Endokarditis fällt bei der körperlichen Untersuchung oft nur durch ein bis dato unbekanntes Herzgeräusch auf (siehe unten), das aber sehr leise sein kann und daher oft überhört wird.

Wenn sich über der entzündeten Herzinnenhaut allerdings Blutgerinnsel bilden, diese Gerinnsel sich losreißen und in den Kreislauf gelangen können sie Embolien verursachen, die dann entsprechende Symptome verursachen:

Geräusch

Perikarditis

Geräusch 1

Solange die Perikarditis nicht mit einem Erguß verbunden ist hört man beim Abhorchen des Herzens typische Reibegeräusche (Geräusch 1), die dadurch verursacht werden, daß sich entzündliche Eiweiße auf der Innenseite des Herzbeutels ablagern und hier bei jedem Herzschlag aneinander reiben (dies verursacht auch den Schmerz).

Wenn allerdings ein Perikarderguß vorliegt verschwinden diese Geräusche allerdings wieder, denn die Flüssigkeit des Ergusses isoliert die beiden Schichten des Perikards wie ein Schmiermittel.

Myokarditis

Die Myokarditis verursacht in der Regel keine Herzgeräusche.

Endokarditis

Typischer Befund ist das neue Auftreten von Herzgeräuschen, d.h. von Geräuschen, die bei früheren ärztlichen (Vorsorge-) Untersuchungen noch nicht feststellbar waren.

Sie deuten darauf hin, daß eine Herzklappe befallen ist und sich durch die Entzündung entweder verengt hat oder undicht geworden ist.

Bei der akuten Endokarditis sind diese Geräusche in der Regel noch nicht zu hören, erst etwas später tritt meistens das Geräusch einer Undichtigkeit der Herzklappe in Erscheinung.

Die chronische Endokarditis führt, wenn sie eine Herzklappe befallen hat, allerdings zu deren teilweise erheblichen Schädigung, sodaß hier auch Geräusche einer Klappenverengung gehört werden.

Die Geräusche bei einer chronischen Endokarditis entsprechen denjenigen Geräuschen einer Herzklappenerkrankung.

EKG

Elektrik
Abb. 6
Mit rot gekennzeichnet sind die typischen Hebungen der ST-Strecke

Siehe auch spezielles eBook.

Perikarditis

Im EKG sieht man Veränderungen der ST-T-Strecke, die denen eines frischen Herzinfarktes täuschend ähnlich sehen (Abb. 6).

Myokarditis

Das EKG zeigt meistens keine Veränderungen, manchmal aber einen Linksschenkelblock (siehe Herzrhythmusstörungen), der dadurch entsteht, daß der Entzündungsprozeß des Herzmuskels auf die elektrischen Leitungsstrukturen des Herzens übergreift und zu einer (manchmal vorübergehenden) Leitungsunterbrechung des „linken Schenkels“ führt.

Oft sieht man auch Herzrhythmusstörungen, deren Auftreten allerdings unspezifisch ist und die nicht gezielt auf das Vorliegen einer Myokarditis hinweisen.

Endokarditis

Veränderungen im EKG gibt es nicht.

Röntgen

Elektrik
Abb. 7
Weiße Struktur in der Mitte = Herz. Links normal großes, rechts deutlich vergrößertes Herz

Siehe auch spezielles eBook über Röntgenuntersuchungen.

Perikarditis

Im Röntgenbild sieht man bei größeren Ergüssen eine deutliche Vergrößerung der Herzsilhouette (Abb. 7).

Myokarditis

Elektrik
Abb. 8

m Röntgenbild (Abb. 8) sieht man bei schweren Herzmuskelentzündungen ein vergrößertes Herz.

Endokarditis

Das Röntgenbild des Herzens ist allenfalls bei akuten schweren Verläufen der Endokarditis mit schneller Zerstörung einer Herzklappe verändert (Herzvergrößerung, Wassersammlung und Blutstauung in den Lungen).

Blutuntersuchungen

Perikarditis und Myokarditis

Bei der Blutuntersuchung stellt man oft Entzündungszeichen fest (erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Vermehrung der weißen Blutkörperchen).

Endokarditis

Im Blut erkennt man oft die allgemeinen Zeichen einer Entzündung (Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit, Vermehrung der weißen Blutkörperchen), oft kann man auch Bakterien nachweisen und aus dem Blut anzüchten.

Echokardiographie

Elektrik
Abb. 9

Siehe auch spezielles eBook über Ultraschalluntersuchungen.

Perikarditis

m Echokardiogramm erkennt man lediglich den Perikarderguß (Abb. 9).

Bei chronischer Perikarditis kann man manchmal auch die Verdickung und Vernarbung des Herzbeutels sehen.

Myokarditis

Film 1
Beachten Sie die müden Pumpbewegungen der linken Hauptkammer

Das Echokardiogramm zeigt eine manchmal deutliche Vergrößerung des Herzens, dessen Wände sich nur sehr müde bewegen (Film 1).

Endokarditis

Elektrik
Abb. 10

Im Echokardiogramm kann man die Entzündung der Herzklappen oft sehen, indem man bakterienhaltige Blutgerinnsel auf den Herzklappen erkennt (Abb. 10).

Oft erkennt man im Ultraschall auch die Verengung oder Undichtigkeit der befallenen Herzklappe (siehe Herzklappenfehler).

Kardio-CT

Siehe auch spezielles eBook über das Kardio-CT.

Perikarditis

Elektrik
Abb. 11

Im Computertomogramm kann man bei chronischer Perikarditis die deutliche Verdickung des Herzbeutels sehen (Abb. 11).

Elektrik
Abb. 12
Verkalkungen im Herzbeutel als weiße Strukturen gekennzeichnet

Bei der verkalkenden Perikarditis constrictiva kann man im CT hier Verkalkungen als weiße Strukturen erkennen (Abb. 12).

Myokarditis

Spielt bei der Myokarditis keine Rolle, hier wird eher das MRT angewandt.

Endokarditis

Elektrik
Abb. 13
Auflagerung an der Aortenklappe (weißer Pfeil), Verkalkung der Aortenklappe (schwarzer Pfeil) (LV = Linker Ventrikel)

Bei der akuten Endokarditis spielt das CT eine nur untergeordnete Rolle.

Man kann, wenn die Echokardiographie unklar geblieben ist, der Verdacht auf eine Endokarditis aber dennoch besteht, Kontrastmittel einspritzen und die Veränderungen an der betroffenen Klappe dann sehen (Abb. 13).

MRT

Siehe auch spezielles eBook über MRT-Untersuchungen.

Perikarditis

Elektrik
Abb. 14
RA = Rechter Vorhof, LA = Linker Vorhof, LV = Linker Ventrikel, RV = rechter Ventrikel)

Bei der Untersuchung einer Perikarditis spielt das MRT keine große Rolle. Man kann einen (auch einen kleinen) Erguß dennoch gut sehen (Abb. 14).

Man kann das MRT aber dazu einsetzen, um herauszufinden, ob die Entzündung des Herzbeutels auch auf den Herzmuskel übergegriffen hat (siehe nächster Abschnitt unter Myokarditis).

Myokarditis

Das MRT ist gut in der Lage, Vernarbungen im Gefolge einer Herzmuskelentzündung nachzuweisen und darzustellen.

Elektrik
Abb. 15
Anreicherung des Gadolinium in der Hinter- und Seitenwand des linken Ventrikels (Pfeile)

Man spritzt dazu das MR-Kontrastmittel Gadolinium ein und untersucht das Herz dann 10 - 20 min im Anschluß an die Injektion.

Vernarbter Herzmuskel stellt sich dabei als weiße Struktur dar, die sich im Herzmuskel anreichert (Abb. 15).

Vom Prinzip her ähnelt der Befund an eine Herzmuskelnarbe nach einem Herzinfarkt. Die Infarktnarbe stellt sich allerdings umschriebener dar und folgt dem Ausbreitungsgebiet eine Herzkranzarterie.

Elektrik
Abb. 16

Es ist nicht selten, daß eine Entzündung des inneren Blattes des Herzbeutels, das ja direkt auf dem Herzmuskel liegt, auf den Herzmuskel übergreift und diesen ebenfalls entzündet (= Peri-Myokarditis). Auch eine solche Entzündung kann man durch die Anreicherung des Gadoliniums gut erkennen (Abb. 16).

Wenn sich z.B. im Echo im Zusammenhang mit einer Perikarditis die Müdigkeit der linken Herzkammer zeigt oder wenn es klinische Anzeichen für eine Herzmuskelschwäche gibt kann das MRT mit der Kontrastmittelgabe dies u.U. erklären.

Endokarditis

Elektrik
Abb. 17

Das MRT spielt auch hier keine große Rolle, weil die Endokarditis-Auflagerungen meistens im Echo einfacher darzustellen sind.

Eine Ausnahme hiervon machen jedoch Gerinnsel, die sich im Gefolge einer Endokarditis evtl. an der Wand des linken Ventrikels gebildet haben (Abb. 17).

Kleine Gerinnsel, die sich im Echo nicht eindeutig zeigen, sind hier gut zu erkennen.

Herzkatheter

Siehe auch spezielles eBook über Herzkatheter-Untersuchungen.

Perikarditis

Herzkatheteruntersuchungen haben in der Untersuchung der Herzbeutelentzündung keinen Stellenwert und werden daher aus diesem Grund nicht durchgeführt.

Mit einer Ausnahme allerdings, nämlich der einschnürenden Pericarditis (Pericarditis constrictiva):

Durch die Verdickung und evtl. Verkalkung des Herzbeutels wird das Herz zum einen an seiner Entfaltung während der Füllungsphase gehindert und zum anderen, durch die Verklebung beider Perikardblätter, verwachsen das innere Blatt, das ja direkt auf dem Herzmuskel liegt mit dem äußeren verdickten und evtl. verkalkten Blatt. Diese beiden Zustände haben Auswirkungen auf die Blutdrücke in den verschiedenen Herzkammern:

Entscheidend ist bei der Betrachtung der Druckkurven die Füllungsphase der Ventrikel, d.i. die Diastole. Unter normalen Umständen, mit gesundem Herzbeutel, sind die Druckkurven während der Füllungsphase in allen 4 Herzhöhlen unterschiedlich (Abb. 18).

In Abb. 18 sind die Füllungsphase der Ventrikel, d.i. die Diastole .......

Elektrik
Abb. 18

Ende der Leseprobe


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Dabei werden jeweils die Perikarditis, die Myokarditis und die Endokarditis besprochen.

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