CT-Untersuchung des Herzens ("Kardio-CT")

(auch im padBook mit den Beschreibungen aller Untersuchungen erhältlich)


Es handelt sich um eine Röntgenuntersuchung des Herzens mit einem Computer-Tomographie-Gerät (CT). Weil das Herz (lateinisch: "Cor") untersucht wird nennt man diese Untersuchung auch „Kardio-CT“.

Prinzip

CT-SchnitteBei dieser Untersuchung wird das Herz spiralförmig mit hoher Geschwindigkeit und mit mehreren Schichten gleichzeitig mittels Röntgenstrahlen aufgenommen.

Durch die gleichzeitige Erfassung vieler sehr dünner Schichten kann das gesamte Herz in nur wenigen Sekunden abgebildet werden.

Diese Scheibchenbilder können mit Hilfe verschiedener Computermethoden weiter verarbeitet werden. So werden Kardio-CT-Untersuchungen heute aus 2 Gründen eingesetzt:

  • Kalkbestimmung der Herzkranzgefäße:

Wenn eine Schlagader erkrankt dann kommt es zu Beginn der Erkrankung zur Ablagerung kleinster Fettmengen in der Wand des Gefäßes. Dieses Fett gehört dort natürlich nicht hin und folglich versucht der Körper, das Problem selbstständig zu lösen. Hierzu dringen speziellen Freßzellen in die Wand des Gefäßes ein und versuchen nun, daß Fett aufzufressen und dadurch zu beseitigen. Vereinfacht gesagt ist aber auch die kleine Fettmenge für die Freßzellen zu groß, um sie „einfach“ durch Fressen zu beseitigen. Die Zellen „überfressen“ sich und platzen. Durch dieses Platzen werden die ganzen z.T. aggressiven Chemikalien aus dem Inneren der Freßzelle freigesetzt und gelangen in die Gefäßwand. Dadurch entsteht eine Entzündungsreaktion der Gefäßwand, die nun wiederum andere Zellen anlockt. Auf diese Weise entsteht eine immer größer werdende Gefäßwand-Entzündung, in deren Verlauf (wie bei jeder anderen chronischen Entzündung auch) Kalk entsteht. Zunächst ist dies nur eine mikroskopisch kleine Menge Kalk, die man mit keiner normalen Röntgen- oder Durchleuchtungsuntersuchung des Herzens feststellen kann. Die Anwesenheit des Kalks bedeutet jedoch in dieser Situation bereits, daß das Gefäß erkrankt ist, obwohl der Betroffene hiervon sicherlich noch nichts bemerkt und auch der Arzt mit EKG, Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchung oder sogar Herzkatheteruntersuchung noch nichts feststellen könnte.

Mit dem CT kann man nun diesen Kalk finden, denn die CT-Geräte sind hochempfindlich und können bereits Kalkmengen feststellen, die mit keiner anderen Untersuchungsmethode erkennbar sind. Die Grundüberlegung einer Kalkbestimmung des Herzens mittels Kardio-CT geht also davon aus, das evtl. Vorliegen einer Gefäßkrankheit, die irgendwann vielleicht zum Herzinfarkt führen würde schon sehr frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

  • Um den Zustand der Herzkranzarterien genau zu untersuchen ist muß man sich die Gefäße ansehen. Lange Zeit war man hierzu auf die Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung angewiesen. Eine solche Katheteruntersuchung ist aber nicht ganz ungefährlich. Daher versucht man seit langem, die Herzkranzgefäße einfacher, unkomplizierte rund ungefährlicher darstellen zu können. Die Verendung von CT-Geräten schien hierzu der geeignete Weg, denn man ist für eine solche Untersuchung nicht mehr darauf angewiesen, das Kontrastmittel mit speziellen Schläuchen (den Herzkathetern) direkt ins Herz und in die Herzkranzgefäße einzuspritzen; es reicht für CT-Untersuchungen aus, wenn man das Kontrastmittel mittels einer Infusion in eine Vene einzuspritzen. An ruhenden Organen wie etwa dem Gehirn oder den Bauchorganen funktioniert dieses Untersuchungsprinzip seit Jahren sehr gut, aber die Herzkranzgefäße sind dünne Gefäße (2 – 5 mm dick) und sie bewegen sich zudem schnell mit dem Herzen, weil sie sich auf dessen Oberfläche befinden. Die früheren CT-Geräte waren aber technisch nicht in der Lage, solche feinen Strukturen wie die Herzkranzgefäße abzubilden und sie konnten ebenfalls nicht den schnellen Bewegungen des Herzens folgen, sodaß die Bilder sehr unscharf und eigentlich unbrauchbar waren. Mit fortschreitender Technik sind heute aber Geräte entwickelt worden, die dies können, indem sie aus den vielen dünnen Scheibchenbildern des Herzens mit Hilfe von Computern die Herzkranzgefäße abbilden können. Es handelt sich dabei aber nicht um „echte“ bewegte Bilder, wie man sie beispielsweise aus Herzkatheteruntersuchungen kennt, sondern um „künstliche“ vom Computer errechnete Bilder. Darüber hinaus haben die CT-Geräte große Schwierigkeiten, den Innenraum eines Herzkranzgefäßes innerhalb eines Metall-Stents (siehe „PTCA“) oder bei stark verkalkten Gefäßen darzustellen.

Durchführung

Die Durchführung der Untersuchung hängt davon ab, ob man „nur“ eine Kalkuntersuchung des Herzens oder auch eine Darstellung der Herzkranzgefäße durchführen möchte.

In beiden Fällen werden Elektroden auf den Brustkorb aufgeklebt, um das EKG abzuleiten. Ein solches EKG ist notwendig, weil der Computer des CT-Gerätes seine Bildberechnungen mit Hilfe des EKG-Signals vornimmt. Darüber hinaus wird eine Infusionskanüle in eine Vene des Armes eingeführt. Über diese Kanüle muß manchmal ein Medikament eingespritzt werden, das den Herzschlag verlangsamt. Für die optimale Qualität der Bilder darf das Herz nämlich nicht zu schnell schlagen.

Wenn „nur“ eine Kalkbestimmung des Herzens vorgenommen werden soll liegt der zu untersuchende Mensch etwa 5 min in der Röhre des CT-Gerätes. Während dieser Zeit muß die Untersuchungsperson immer wieder kurz den Atem anhalten, damit durch die Atembewegungen des Brustkorbes keine Unschärfen der Bilder entstehen. Während der Atemanhalte-Phasen wird die Untersuchungsperson auf einem elektrischen Tisch langsam und ruckweise durch das Gerät „gezogen“. Dabei werden die Scheibchenbilder angefertigt, die anschließend vom Computer berechnet werden.

Wenn auch eine Darstellung der Herzkranzgefäße erfolgen soll ist es erforderlich, während der gesamten Untersuchung, die etwa 10 – 20 min dauert durch die Infusionskanüle Kontrastmittel einzuspritzen. Während dieser Zeit liegt man ebenfalls in der Röhre des CT-Gerätes, muß von Zeit zu Zeit für einen kurzen Augenblick den Atem anhalten und wird auf dem elektrischen Tisch langsam und ruckweise durch das Gerät „gezogen“. Ebenso wie bei der Kalkbestimmung fertigt das Gerät dabei die Scheibchenbilder an, die vom Computer berechnet werden, nachdem die Untersuchungsperson das Gerät wieder verlassen hat.

Die Auswertung der Untersuchung durch den Arzt kann nachfolgend bis zu 1 Stunde dauern.

Was merkt man?

Die Einspritzung des Kontrastmittels löst bei den meisten Menschen ein mehr oder weniger intensives Wärmegefühl aus, das sich wellenartig im Körper ausbreitet. Dieses Wärmegefühl ist „sonderbar“, aber keinesfalls unangenehm oder gar schmerzhaft.

Was kann passieren?

Wie bei jeder Kontrastmittelgabe kann es auch bei einer Kardio-CT-Untersuchung zu Überempfindlichkeitsreaktionen (= Kontrastmittel-Allergie) kommen. Solche Reaktionen treten sehr selten auf und können zudem durch Medikamente, die stets griffbereit sind schnell beseitigt und beherrscht werden. Wenn Kontrastmittel gegeben werden soll müssen allerdings schon bei den Vorbereitungen Untersuchungen der Schilddrüse durchgeführt werden, um zu verhindern, daß es durch bestimmte Schilddrüsenerkrankungen zu schwerwiegend Kontrastmittelreaktionen kommt. Zudem ist es erforderlich, vor der Kontrastmittelallergie die Nierenfunktion zu untersuchen, weil Kontrastmittel eine bereits (wenn auch leicht) vorgeschädigte Nieren zusätzlich schädigen kann. Diabetiker, die mit einem Medikament namens Metformin behandelt werden müssen zudem die Einnahme dieses Medikamentes einige Tage vor und nach der Kontrastmittelgabe unterbrechen, weil das Kontrastmittel in Kombination mit diesem Medikament ebenfalls zu schwerwiegenden Komplikationen an der Niere führen kann.

Ansonsten ist eine Kardio-CT-Untersuchung ungefährlich.

Man muß allerdings berücksichtigen, daß es sich um eine Untersuchung handelt, deren Bilder mit Hilfe von Röntgenstrahlen hergestellt werden:

Diese Belastung des Körpers mit Röntgenstrahlen kann mittel- und langfristig zu bösartigen Tumor- und Blutkrankheiten führen. Man sollte daher wissen, daß die CT-Untersuchungen des Herzens unter Umständen zu einer erheblichen und großen Strahlenbelastung des Körpers führen. Um diese Belastung richtig einschätzen zu können lesen Sie nachfolgend verschiedene Strahlenbelastungen:

  • Natürliche Strahlenbelastung (in Deutschland): 2.5 mSv / Jahr
  • Herzkatheteruntersuchung: 2.5 – 5.0 mSv / Untersuchung
  • CT-Kalkbestimmung des Herzens: 1.3 – 1.5 mSv / Untersuchung
  • CT-Untersuchung der Herzkranzgefäße: 7 – 20 mSv / Untersuchung
  • Myokardszintigraphie (Thallium): 40 mSv / Untersuchung (Ruhe und Belastung)
  • Myokardszintigraphie (Technetium): 20 mSv / Untersuchung (Ruhe und Belastung)

Daraus folgt, daß eine CT-Untersuchung zwar einfach und unkompliziert aussieht, daß sie aber zu einer erheblichen Strahlenbelastung des Menschen führt.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Grundsätzlich kann sich jeder mit dieser Methode untersuchen lassen, solange keine Schwangerschaft (wegen der Röntgenstrahlen), keine Kontrastmittelüberempfindlichkeit, keine Schilddrüsenkrankheit oder Nierenfunktionsstörung vorliegt und solange Diabetiker Medikamente, die Metformin enthalten eine genügend lange Zeit vor und nach der Untersuchung (ca. 3 Tage) abgesetzt haben.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, warum eine solche Untersuchung erwogen wird:

Vorsorgeuntersuchung

ClooneyDabei ist zu bedenken, daß die Untersuchung trotz aller offenkundiger Vorteile von weltweit keiner kardiologischen Fachgesellschaften als Routine-Methode angesehen wird, weil unklar ist, ob die Risiken (Kontrastmittelgabe, Strahlenbelastung) den Nutzen der Untersuchung auch tatsächlich rechtfertigen. Dieselben Erkenntnisse wie ein Kardio-CT kann man nämlich prinzipiell auch mit einer normalen „kleinen“ Vorsorgeuntersuchung gewinnen, nämlich ob man ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Herzinfarktes hat. D.h. mit anderen Worten: Das Risiko der Untersuchung (vor allem die Strahlenbelastung und das Kontrastmittel-Risiko) ist für den untersuchten Patienten ohne erkennbaren Nutzen.

Wenn Sie erwägen, eine solche Untersuchung durchführen zu lassen:

  • Denken Sie daran, daß Sie die Untersuchung selber bezahlen müssen.
  • Wenn Sie im Internet schicke Bilder sehen: 75% des Internet-Inhaltes ist Werbung. Oder würden Sie glauben, daß ich so super wie der unbekannte Kollege im oben stehenden Bild aussehe, bloß weil ich Ihnen dieses Bild von "mir" im Internet zeige? (Sorry, George!)

Medizinische Fragestellung

Hier kann es 2 Fragen geben, die die Durchführung einer Kardio-CT-Untersuchung rechtfertigen:

  1. Die Frage, ob ein Herz-Bypass-Gefäß offen ist oder nicht: Diese Frage kann das CT heute schon gut prüfen. Man kann zwar in der Regel keine Einzelheiten des Bypass-Gefäßes (z.B. Verengungen) sehen, aber man kann einfach feststellen, ob das Gefäß offen ist oder nicht. Dies kann manchmal wichtig sein, wenn man das Bypass-Gefäß entweder bei einer Herzkatheteruntersuchung nicht auffinden kann oder wenn man „auf die Schnelle“ und ohne größeres Untersuchungsrisiko klären muß, ob Bypass-Gefäße verschlossen sind.
  2. Abnorm verlaufende Herzkranzgefäße: Es gibt Situationen, in denen Herzkranzgefäße anders verlaufen, als dies normalerweise der Fall ist. Man kann dann diese ungewöhnlich entspringenden Herzkranzgefäße bei einer Herzkatheteruntersuchung nicht finden oder man kann bei ungewöhnlichem Verlauf der Gefäße den genauen Verlauf nicht klären. Dies kann wichtig sein, wenn eine Kranzarterien z.B. zwischen der Hauptschlagader (Aorta) und der Lungenschlagader verläuft. Diese Situation kann gefährlich werden, wenn die Kranzader unter bestimmten Umständen zwischen Aorta und Lungenschlagader eingeklemmt und zusammengedrückt wird. In solchen Fällen kann nur eine Bypass-Operation helfen und die Ärzte möchten in solchen Fällen genau wissen, wo das Gefäß verläuft, bevor sie jemanden mit ansonsten normalen und gesunden Gefäßen zum Chirurgen schicken. Auch in diesen Fällen kann das Kardio-CT sehr sinnvoll sein.

Wer kann nicht untersucht werden?

  • Menschen mit sehr schnell schlagendem Herzen (z.B. bei Vorhofflimmern) können solange nicht untersucht werden, bis die Herzfrequenz wieder in den normalen Bereich abgesenkt wurde. Der Grund dafür besteht darin, daß sich das Herz in diesen Fällen so schnell bewegt, sodaß das CT-Gerät stets unscharfe Bilder liefert.
  • Ein anderer Grund besteht darin, daß das Herz bei sehr übergewichtigen Menschen von großen Fettmengen umgeben ist. Auch in diesen Fällen ist die Bildschärfe nicht ausreichend, um qualitativ ausreichende Bilder zu liefern.
  • Und schließlich hat eine CT-Untersuchung auch dann wenig Sinn, wenn die Herzkranzgefäße sehr stark verkalkt sind. In diesen Fällen werden die Röntgenstrahlen derartig stark durch den Kalk abgefangen, daß der unter dem Kalk liegende Innenraum des Gefäßes kaum noch zuverlässig gesehen werden kann und nicht beurteilt werden kann, ob im Bereich dieser Verkalkung eine Gefäßverengung vorliegt oder nicht. Dasselbe Argument gilt auch für Menschen, die einen Stent in der Herzkranzarterie tragen: Auch hier schirmt das Metall des Stent die Röntgenstrahlen so stark ab, daß evtl. Verengungen des Gefäßes innerhalb des Stent nur schwer oder garnicht erkannt werden können. An diesem wichtigen Problem, das für die Kontrolle von Menschen mit Stents von großer Bedeutung ist arbeiten aber die Techniker und Physiker der Röntgenfirma sehe intensiv.

Welche Kosten entstehen und werden diese von meiner Krankenkasse erstattet?

Bei der Computertomographie des Herzens handelt es sich noch nicht um eine von den Krankenkassen anerkannten Untersuchung. Deshalb haben Menschen, die sich (aus welchen Gründen auch immer) mit dem Kardio-CT untersuchen lassen möchten keinen Erstattungsanspruch gegenüber ihrer gesetzlichen Krankenkasse, Beihilfestellen oder Berufsgenossenschaften und müssen für die Kosten zunächst selbst aufkommen.

Das gilt allerdings nicht für die privaten Krankenversicherungen, die die Untersuchung in der Regel zum Teil oder ganz übernehmen. Das kann man als Ungerechtigkeit betrachten, aber beachten Sie, daß es sich um eine Untersuchung handelt, die nicht ungefährlich ist, viel Geld kostet und die bislang noch keinen erwiesenen Nutzen hat.

Die Kosten liegen z.Zt. bei 500 - 700,- (Stand 8/11).

Ergebnisse

Sehen Sie nachfolgend einige Bildbeispiele:

kein kalk wenig kalkviel kalkStentBypassLinks: Normales Kardio-CT, in dem Sie das Bild einer unverkalkten Koronararterie sehen; 2. von links: Geringe Verkalkung der Herzkranzgefäße; 3. von links: Starke Verkalkungen der Herzkranzgefäße; 2. von rechts: Darstellung eines Stent in einer Herzkranzarterie; rechts: Verschlossener (Bypass-Stummel) und gut funktionsfähiger Bypass (Mammaria-Bypass)

abnorme KranzarterieAbnorm verlaufende Herzkranzarterie, die zwischen Lungenschlagader und Aorta (Hauptschlagader (Aorta) eingeklemmt wird (Abb. rechts)